Meine Arbeit
Verladungen nach Übersee
Am interessantesten am Beruf des Spediteurs sind natürlich die nicht
alltäglichen, die "außergewöhnlichen" Aufträge.
Bereits kurz nach meiner Ausbildung -im Mai 1981- durfte ich eine Partie Lkw-Chassis
nach Chile verschiffen. Damals gab es in diese Relation noch keine
Ro/Ro-Schiffe,
also musste ich die Fahrzeuge auf einem konventionellen Frachter unterbringen.
Hierbei war darauf zu achten, dass bei Seegang
die Lkws weder von den anderen im Schiff verstauten Waren beschädigt werden
konnten, noch selbst andere Güter beschädigten. Auch an Oberdeck konnte
die Verladung nicht erfolgen, man wollte ja in Chile keine vom Wind und Seewasser
verrosteten Gerippe, sondern neue Lkws erhalten.

Übrigens: damals arbeitete man noch mit der
Schreibmaschine
und (im besten Fall) mit einen Vervielfältigungssystem namens Ormig, vielleicht
kennen Sie das noch aus der Schulzeit. Computer wurden in den meisten Speditionen erst
Mitte bis Ende der 1980er Jahre eingeführt, also hieß es anstatt
"Dokument speichern unter..." damals: Aufstehen, einen Ordner aus dem
Schrank holen, das Dokument lochen, abheften und den Ordner wieder zurück in
den Schrank stellen. Kann man sich heute kaum noch vorstellen!
Als wir dann Computer hatten, aber noch mittels Telex (die Sache mit den Lochstreifen)
kommunizieren mussten, verlud ich eine Luftzerlegungsanlage von München nach
Ulsan in Südkorea.
Wegen der dünnen Außenhaut des 20 Meter langen Haupttanks mussten die
Anschlagstroppen
gespreizt werden. Leider gab es in Korea weder einen ausreichend langen
"Spreader",
noch einen zweiten Schwimmkran im Handelshafen. Zusammen mit den Partnern in Korea
löste ich das Problem dennoch (Wie? - Das ist Spediteurs-Geheimnis!)

Auch eine interessante Aufgabe war die Demontage, Verpackung und Verschiffung einer
Spanplatten-Fabrik nach Pakistan.
Viele Teile konnten in
Container
verladen werden, einiges in
Open Top
oder auf
Flats und
Plattforms,
aber ein erheblicher Teil musste konventionell d.h. weitestgehend unverpackt auf
die Reise gehen.

Ein Händler von Pall- und Sicherungsmaterial, der ursprünglich keine Lust
gehabt hatte, zwecks Bestellung zum Werk, quasi "in die Walachei", zu
kommen, küsste mir später fast die Füße als Dank für die
Verdoppelung seines Jahresumsatzes.
Da ein Transport der Waren (mit den teilweise erheblichen Übermaßen) nach
Hamburg zu aufwendig (und damit zu teuer) geworden wäre, holte ich das
Seeschiff nach Rostock, bereit, die hierfür zusätzlich anfallenden
Kanalgebühren
zu übernehmen.

Vorher musste allerdings teilweise die Hafen-Infrastruktur dort wieder reaktiviert
werden: Der einzige
Vancarrier
wurde entrostet und gangbar gemacht,
Container-Spreader
mussten gesucht und gewartet werden.
Auch die kurze Strecke vom Werksstandort in den Hafen von Rostock musste bei vielen
Teilen unter
Polizeibegleitung
erfolgen, Ampeln und Schilderbrücken mussten umfahren werden.
Um Kosten zu sparen, suchten -und fanden- wir eine Streckenführung, bei der wir
keine größeren baulichen Maßnahmen ergreifen mussten.

Nach Monaten intensiver Planung, Koordination, Schweiß und auch ein paar
Tränen war es dann soweit, Stückgut und Container wurden an Bord verstaut,
es passte auch alles hinein (was u.a. den
"Supercargo"
und den beiden Hafen-Gangs zu verdanken war) und das Schiff lief aus.

An dieser Verladung erkennen Sie vielleicht, liebe Leser, dass jede Art Arbeit immer
von einer Vielzahl Menschen erledigt wird. Menschen, die nur dann ein gutes Ergebnis
erzielen, wenn sie kooperativ und fair zusammen arbeiten und wenn sie das Gefühl
haben, dass ihr Anteil an der Arbeit geschätzt und gewürdigt wird.
Und das hat auch einiges mit dem Thema Bezahlung zu tun.

Hobby und Beruf brachte ich bei der Verladung eine Rennyacht nach Australien eng
zusammen. Noch jahrelang stand ich mit dem Skipper der Yacht in Email-Kontakt, leider
hat sich jedoch nie die Gelegenheit zu einem Turn ergeben. Schade.
Hier habe ich natürlich nur einige Highlights erwähnt, (ausgesucht auch
deshalb, weil ich von anderen Verladungen keine Fotos besitze), habe nicht die
vielen administrativen Hürden, bankseitigen Stolpersteine und restriktiven
Importbestimmungen erwähnt, hoffe aber dennoch, Sie haben damit einen kleinen
Einblick gewonnen in die Arbeit eines Seehafen-Spediteurs.
Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie mir gerne.