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Trans - Sahara - Tour
Wie drei junge, naive "Männer" die Sahara
durchquerten, können Sie hier lesen
Angefangen hatte es eigentlich als wirkliche "Schnapsidee":
Eines Tages trafen wir -das sind Peter; Bernd und ich- uns in schon recht
angeheitertem Zustand in der berühmt-berüchtigten Hamburger Diskothek
"Grünspan". Peter hatte irgendwo von Sahara-Durchquerungen per
LKW gelesen und, dass man mit dem Verkauf von Lkws dort sehr viel Geld
verdienen kann. Im weiteren Verlauf des Abends (oder war’s schon morgens)
fiel die Entscheidung: "Das machen wir auch!".
Da nur ich bereits den Lkw-Führerschein besaß, mußte Peter
noch schnell mal zur Fahrschule. Blind wie ein Maulwurf, schaffte er schon den
Sehtest nicht. Also verglichen wir -Peter und ich- unsere Fotos in den
Personalausweisen, fanden auch andere Leute,
die bestätigten, dass man auf den schon recht alten Fotos nicht mehr
sagen könne, wem welcher Ausweis gehört und beschlossen, dass ich
für Ihn -mit seiner Brille auf der Nase- den Sehtest machen sollte.
Gesagt, getan, ohne irgendein Probleme überlisteten wir die erste Hürde
auf unserer langen Reise.
Während Peter sich noch mit Theorie und Praxis des Führerscheins
abmühte, hatten wir noch ein nicht unerhebliches Problem zu lösen:
"Wer soll das alles eigentlich bezahlen??"
Wir fanden Kontakt zu einer Firma, die hauptsächlich mit Südamerika
Geschäfte machte, z.Zt. aber zwei Lkws unverkäuflich auf dem Hof
stehen hatte. Wir schwärmten der Inhaberin vor, wie phantastisch
doch diese Chance für sie wäre und - sie willigt ein !
Wir stellten einen Katalog mit Dingen zusammen, die noch benötigt wurden,
die repariert und erneuert werden mußten, die und montiert und als
Zusatzausrüstung beschafft werden mußten.
Leider merkten wir erst, als wir losfahren wollten (besser gesagt, dringenst
losfahren mußten, um die gebuchte Fähre in Genua noch zu bekommen),
dass die meisten dieser Forderungen nicht, falsch, ungenügend oder
schlampig erfüllt worden waren. So entstand der Grundstock für die
sich im Laufe der Reise kontinuierlich verlängernde
Mängel-Liste.
Während wir uns also der Illusion hingaben, die Eigentümerin
und einzige Mitarbeiterin der besagten Firma arbeite gewissenhaft unsere Listen ab,
besorgten wir uns die notwendigen Impfungen, beantragten und erhielten das Visum
für Algerien, versuchten, uns noch ein paar Kenntnisse
anzulesen und kauften eine Karte (die einzige seinerzeit erhältliche brauchbare).
Peter widmetet sich vorzugsweise seinem Hobby, der Reiseapotheke.
Selbstverständlich wurden auch die persönlichen Papiere weiter
vervollständigt und ein Internationaler Führerschein besorgt.
Am 9.4.1980 fuhren wir dann zu Dritt nach
Heide, Holstein um nach dem ersten
und zweiten Erschrecken die Lkws (
Bild 1 ) und zahlreiche weitere Unterlagen
zu übernehmen und nach
Hamburg zu Peter zu fahren.
Das unsynchronisierte Getriebe machte mir anfangs (Peter die gesamte Fahrt)
etwas Mühe, aber wir kamen heil am "ersten Etappenziel" an.
Und dann ging’s richtig los:
Donnerstag, 10.4.80
5-10°C, Regen und Schnee, 836 km
Um ca. 02:15 Uhr fuhren Peter und ich mit den Lkws los. Bernd wollte mit dem
VW-Käfer, den wir auch in Afrika verkaufen sollten, später nachkommen.
So hatte er noch Zeit, letzte Besorgungen zu erledigen und
uns langsame Lkw-Kutscher (Spitze ca. 70 km/h) dann am Grenzübergang nach
Österreich zu treffen.
Peter und ich fuhren also um ¼ nach 2 in Hamburg los, um nicht zuviel Zeit
im Berufsverkehr zu verlieren, da wir pünktlich um 12 Uhr Samstag-Mittags
in Genua auf die Fähre rollen mußten.
Um 6 Uhr machten wir eine Stunde Pause in
Seesen. Diese Pause brauchte ich dringend,
da in meinem Lkw die Heizung nicht funktionierte. Um nicht völlig vor Kälte
zu erstarren, hatte ich meine Beine schon in eine alte Wolldecke (aus dem 2.
Weltkrieg) gewickelt -was das Fahren etwas erschwerte- und meine Hände
hatten sich in den Ärmeln der Strickjacke verkrochen (ich hatte es bei
einer Fahrt in die Sahara eigentlich nicht für nötig gehalten,
Handschuhe mitzunehmen).
Um 7:00 fuhren wir im Schneeregen weiter. Die Kälte, die Störungen
im Radio (nicht funkentstört) und das Schalten mit dem
noch ungewohnten, nicht synchronisierten Getriebe sind Ärgernis, aber
auch einzige Abwechslung.
Nach dem zweiten Frühstück, nach Waschen (wir uns) und Tanken
(wir die Lkws), ging dann gegen halb zwölf "on the road again"
bis zur Raststätte
Illertal, wo wir gegen 10:00 Uhr eintrafen.
Glücklicherweise sind wir auf der ganzen Tour nicht von der Polizei oder
der
BAG
angehalten
worden, da wir weder den Fahrtenschreiber angeschaltet, noch die gesetzlichen
Ruhezeiten eingehalten haben. An diesem ersten Tag sind wir in ca. 17 Stunden
ganze 835 km gefahren. Erlaubt wären 450 km in 8, maximal 9 Stunden.
Nachdem wir zwei Stunden geschlafen hatten und Bernd immer noch nicht da war,
rief Peter in Norderstedt an uns erfuhr, dass sich Bernd aus einem Ort,
ca. 300 km von hier, gemeldet hatte. Wir warteten noch bis halb eins und
versuchten dann trotz der Kälte im Führerhaus ein wenig zu schlafen.
Freitag, 11.4.80
ca. 10°C, heiter, 410 km
Um 3:45 kam Bernd dann endlich an, er hatte sich zwischendurch auch ein
Schläfchen gegönnt. So konnten wir uns zusammen auf den Weg machen
und kamen um 7:00 Uhr an der österreichischen Grenze in
Kiefersfelden an,
wo wir frühstückten und uns wuschen. Bernd fuhr bald schon weiter,
um noch einige Besorgungen zu machen und uns dann am Brenner wieder zutreffen.
Leider klappte es mit der Zollabfertigung nicht so, wie wir uns das vorgestellt
haben: So gegen halb zehn hatten wir endlich -mit viel Rennerei- unsere
AE
abgefertigt, als uns ein Zöllner eindringlich warnte, ohne
T2
nach Italien einzureisen. Wie sich später herausstellte,
war diese die T2 völlig unnötig.
Wir fuhren also zurück, um bei einem an der Grenze arbeitenden Spediteur
die T2 aufmachen zu lassen. Denks’te: Für ein solches Formular muß
eine Sicherheit (Kaution) geleistet werden. Eine Bar-Bürgschaft wollten wir
nicht hinterlegen, da diese auch dort wieder abgelöst werden muß, wir
jedoch nicht wieder nach Kiefersfelden, sondern weiter nach Italien fahren wollten.
Also brauchten wir über DM 6.000,00 eine
fernschriftliche
Bankgarantie.
Wir telefonierten mit Firma, diese mit der Bank. Wir warteten, telefonierten
wieder, warteten, warteten, warteten und warteten. Endlich kam das langersehnte Telex.
Jetzt mußten wir uns nur noch eine Bescheinigung besorgen, dass der
Diesel in unseren Tanks verzollt ist. Die von vorher ausgefüllte und
abgestempelte "Warenerklärung für Dieseltreibstoffe"
sollte zuerst nicht anerkannt werden. Mit Hilfe des
Spediteurs gelang es uns dann doch, eine erneute Verzollung unseres Treibstoffes
zu vermeiden.
Um 16:00 Uhr konnten wir weiterfahren. Von den landschaftlichen Schönheiten
bemerkten wir nicht viel, das Wetter war zu diesig und wir hatten auch keine Zeit
mehr, irgendwo eine Rast einzulegen.
Am
Brenner stand Bernd und fluchte! Er stand sich schon seit 9 Stunden die Beine
in den Bauch, so lange hatte unser Zoll-Trouble alles in allem gedauert.
An der Maut-Stelle bringt Peter dann den gesamten Betrieb durcheinander, weil er
für uns alle, zu Fuß, die "Autobahn-Eintrittskarten"
holen wollte. Die Anlage funktioniert aber nur, wenn tatsächlich ein
Fahrzeug vorfährt und Peter schafft es, alle drei vorhandenen Automaten
außer Betrieb zu setzen, weil Induktionsschleifen bedauerlicherweise
nicht sehen können, was er dort vorhatte. Ein Angestellter behebt den
Schaden wieder, nicht ohne Peter vorher einen gehörigen Rüffel
verpaßt zu haben.
Schon haben wir das nächste Problem: Ich habe keinen Diesel mehr im Tank.
Mit Hilfe eines -mit 5 Metern entschieden zu langen- Schlauches füllen wir
etwa 10 L aus Peters Tank in einen alten Ölkannister und von dort mittels
einem Stück Pappe (als Rinne) in meinen Tank. Dann geht’s weiter.
In Italien tanken wir, essen und besprechen die weitere Strecke. Von ca. 21:30
bis 2:00 nachts fahren wir noch ein paar Kilometer, bevor wir uns für ca.
1½ Stunden auf einem Parkplatz zum Schlafen legen. Beim Einschlafen
dachte ich belustigt daran, dass Peter Glasperlen, Spiegel und ähnliches
Zeug mitgenommen hat, um es in Afrika einzutauschen, vielleicht hofft er sogar auf
ein "Abenteuer" mit einer schwarzen Schönheit.
Samstag, 12.4.80
15°C, sonnig, 239 km
Um ca. halb drei ging es weiter. Wir hatten zwar noch eine gehörige Strecke
vor uns, aber bis
Genua kamen wir gut durch. Dort führte die Autobahn, beide
Spuren unabhängig voneinander, manchmal kilometerweit voneinander entfernt
(sowohl vertikal, als auch horizontal) direkt durch die Stadt. Die Trasse wurde
nicht ebenerdig, sondern ca. 100m über den Häusern über Brücken
und Überführungen, kurvenreich einmal an Felsvorsprüngen vorbei,
dann wieder über Schluchten und Einschnitte hinweg geführt.
Leider verpaßten wir die richtige Ausfahrt und müßten direkt
in der Stadt ein paar "U-Turns" drehen, rücksichtslos gegen
kleinere Fahrzeuge, da man sonst kaum vorankam.
Plötzlich blieb Peter stehen -mitten auf einer Kreuzung! Kein Sprit mehr!
Nach seiner Beteuerung, der Tank sei noch halbvoll und nach seinem enttäuschten
Blick in denselben, hängen wir die Lkws mittels einer Abschleppstange
hintereinander und ab geht die Post. Zwischenzeitlich drängt die Zeit,
wir müssen zum Fähranleger.
Wir fragten mehrmals nach dem Weg und fanden uns plötzlich vor einem von
wild gestikulierenden Karabineri abgeriegelten Parkplatz. Man gab einen Empfang,
mit militärischer Parade und allem Brimborium. Radebrechend machten wir dem
Beamten klar, dass er uns nur dann loswerde, wenn er uns genau auf diesem
Platz wenden lasse. Das sah er ein, wir fuhren eine Schleife, fanden dann gleich
eine Tankstelle und Peter konnte mit eigenem Motor die Fahrt fortsetzen.
Nach Plan mußten wir über eine Brücke, die allerdings laut dem
davor stehenden Schild nur für max. 2 to zugelassen war. Ein italienischer
Trucker hinter uns winkt uns jedoch aufmunternd zu und so fahren wir -unsere
beiden 7,5-Tonner und der Italiener mit seinem Lkw- über dieses Bauwerk und
kommen endlich in den Hafen, wo es von Schiffen, Lkws, Pkws, Zöllnern und
anderem Volk nur so wimmelt.
Nach wiederholten Rennereien
-
Konnossemente
müßten beantragt, andere
Papiere besorgt und
60.000 Lira
gezahlt werden- sind wir kurz
nach 9:00 mit dem Papierkram soweit fertig. Lediglich die Konnossemente
mußten wir noch abholen, nachdem die Lkws auf dem Schiff sind. Das sollte
allerdings erst in ca. fünf Stunden -gegen 14:00 Uhr- der Fall sein.
Nach der anstrengenden, ungewohnten Fahrt von Hamburg bis Genua waren wir froh,
uns mal ganz ohne Zeitdruck in einen Lkw setzen zu können und ein paar von
den mitgebrachten Bieren zu trinken.
Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen haben, merken wir die Biere sehr bald
und beschließen, uns die Beine in der Stadt zu vertreten, Postkarten und
Zigaretten zu kaufen. Die Stadt ist ebenso chaotisch, wie der Hafen:
Wäscheleinen hängen über die Straßen, Autos parken
kreuz und quer, einige Häuser sind förmlich an den Felsen
"geklatscht".
Gegen Mittag sind wir wieder zurück zum Hafen gegangen und durften dann auch
langsam näher an das Schiff heranfahren (
Bild 2 ). In Dieselqualm und direkter
Sonneneinstahlung warten wir, ziehen einen Meter vor, warten wieder, fahren
ein Stückchen und warten erneut.
Dann fuhr Peter endlich an Bord. Ich wurde nicht durchgelassen, weil mein
Paß noch im Reederei-Büro liegt. Ich stieg also aus, rannte zum
Reedereikontor, legte meine Bord-Karte vor, bekam Peters
und meinen Paß, rannte zum Zoll, bekam dort die erforderlichen Stempel
(obwohl der Zöllner Peter nie gesehen hatte) und konnte dann zusehen,
wie ein Angestellter meinen Lkw an Bord brachte (
Bild 3 ).
Nachdem wir dann auch noch die T2
erledigt
hatten, sind wir -erschöpft,
wie wir waren, gleich in unsere 1. Klasse-Kabinen gegangen, haben ausgiebig
geduscht und uns umgezogen. Danach blieb uns Zeit für einen letzten Blick
von der Fähre auf den Hafen von Genua.
Die Überfahrt war ruhig und vor allem billig, weil die Verpflegung im Preis
inkludiert war. Es gab sowohl Abends, als auch am nächsten Morgen ein
Menü mit je fünf oder sechs Gängen. Wir unterhielten uns noch
mit einigen Lkw-Fahrern, die diese Überfahrt häufiger machten und
alle in die Gegend von Sfax an der Ostküste von Tunesien wollten.
Sonntag, 13.4.80
15°C, sonnig, 230 km
Nach einer erholsamen Nacht und einem geruhsamen Vormittag an Bord kommen wir
gegen 11:00 Uhr in
La Goletta, Tunis an.
Schon im Hafen tauchten die ersten Schwierigkeiten auf: Der Zoll war an Sonntagen
nur für Pkw geöffnet und man sagte uns, wir hätten hier bis Montag
zu warten. Da wir weder Lust hatten, die Lkws einfach stehen zu lassen, noch
einen ganzen Tag in der ziemlich tristen Hafenstadt zu vertrödeln,
versuchten wir, doch noch irgendwie hinauszukommen.
Ein netter Zollbeamter hatte dann ein Einsehen und stellte uns einen
provisorischen "Transit-Tages-Schein" aus, der allerdings nur
für diesen einen Tag - also bis Mitternacht- galt. Das bedeutete
für uns, die ca. 550 km bis zur tunesich-algerischen Grenze in knapp
sechs Stunden zu schaffen. Und das bei -wie erwähnt- 70 km/h
Höchstgeschwindigkeit.
Als erstes mußten wir jedoch tanken. Für die DM 200,00, Bernd
bereits getauscht hatte, mußten wir 600 Liter Diesel -für die
Lkws und das Reserve-Faß- und Benzin für den VW bekommen.
Im Laufe der Nacht machten wir zweimal Pause, das erstemal essen wir zu Abend
(Dosenfisch aus unserem reichlichen Konserven-Vorrat) und schlafen ca.
anderthalb Stunden. Da uns nach einigen Stunden wieder fast die Augen zufallen,
nutzen wir auch die zweite Pause für ein Schläfchen (3 Stunden).
Plötzlich hielt Peter an und winkte uns zu seinem Truck. Unsere
Befürchtungen erweisen sich als unbegründet, er wollte uns nur
hören lassen, dass er in seinem Autoradio das ARD-Nachtprogramm
von NDR/WDR 2 empfing.
Montag, 14.4.80
20°C, sonnig, 424 km
Bei einer Gabelung werden wir von der Polizei angehalten. Verunsichert
stoppen wir und stellen fest, dass sie nicht weiter wollen, als eine
Mitfahrgelegenheit für einen ihrer Kollegen. Bernd willigt ein, nimmt
den Beamten mit und hat etwas Gesellschaft. Allerdings sehr wortkarge
Gesellschaft, wie er uns später berichtet.
Die Grenze zwischen Tunesien und Algerien erreichen wir gegen 10:00 Uhr,
also zehn Stunden zu spät. Wir berichten dem Zöllner von einer
Panne und werden ohne Probleme abgefertigt, erhalten die Stempel in die
Pässe und sehen noch bei der Abfertigung eines Algeriers und seiner
fünf Frauen zu: Er legt alle Pässe vor, die Frauen, alle mit
Shador tiefverschleiert, werden weder beachtet, geschweige denn kontrolliert.
Nachdem uns das Tor auf der tunesischen Seite der Grenze geöffnet wurde,
fuhren wir ca. 3 km durch das "Niemandsland" zwischen Tunesien und
Algerien. Hier sah es aus, wie eine sehr lange, aber schmale Müllkippe,
überall an der Straße lagen alte, ausgeschlachtete Autowracks und
anderer Gerümpel.
Auf der Seite von
Algerien füllen wir beim Grenzposten die üblichen
Formulare aus und warten dann geraume Zeit auf die weitergehende Abfertigung
(
Bild 4
und
Bild 5 ).
Wir mußten sämtliche Devisen angeben, über die wir verfügen
und verpflichten, bei jedem Umtausch eine offizielle Unterschrift einzuholen.
Falls wir diese Unterschriften bei der Ausreise nicht vorweisen können: Oh weh.
Zudem wird uns noch eine Versicherung -wofür oder wogegen auch immer-
"aufgezwungen", die sieben Tage gültig ist und 55 Alg. Dinar kostet.
Gegen Mittag sind wir glücklich mit allen Formalitäten fertig und
dürfen weiterreisen.
Über
El Qued, wo wir tankten und auch "Trinkwasser" bekamen
(
Bild 6 ),
fuhren wir weiter bis
Touggourt. Dort suchten Peter und Bernd das örtliche
Luxus-Hotel auf, wurden aber mit der Begründung abgewiesen, es sei kein Zimmer
mehr frei. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass unser
mittlerweile nicht mehr ganz porentief reines Äußeres einen gewissen
Einfluß auf diese Antwort nahm.
Die beiden versuchten ihr Glück noch bei zwei weiteren "Hotels",
die uns jedoch nicht zusagten: Ein großer, fensterloser Raum mit Lehmboden,
in welchem alle Hotelgäste gemeinsam auf den Boden schlafen durften.
Und dafür noch bezahlen: Nein Danke!
Währenddessen war ich bei den Fahrzeugen geblieben und hatte versucht etwas
zu lesen, wenn mir nicht gerade ein Salamander (oder ähnliches Getier),
Hasch oder Dinge, die ich nicht verstand, zum Kauf angeboten wurden.
Da wir bei unserer Hotelsuche nicht erfolgreich waren, kauften wir noch eine
Flasche Brause und ein Baguette und fuhren aus der Stadt in die steppenartige
Wüste, essen auf der Ladefläche von Peters Lkw und trinken
in aller Ruhe unsere letzten drei Dosen Bier (
Bild 7 ).
Dann begeben wir uns zur Ruhe.
Was dieses Land, bzw. die Landschaft so interessant macht, sind die
abwechslungsreichen Bilder der Umgebung:
An einer Stelle ist die Straße (und die Telegrafenmasten) meterhoch
vom Sand zugeweht (
Bild 8
und
Bild 9 ) und an der
nächsten "Ecke"
sieht man einen Teich mit dichtem Schilfbewuchs und Palmen.
An anderen Stellen gibt es tiefe Sandtrichter, die immer wieder leergeschaufelt
werden müssen, damit die darin wachsenden Palmen überhaupt an Wasser
herankommen und die Menschen somit etwas zu Essen haben.
Ebenfalls interessant sind die verstreuten Hütten, kilometerweit vom
nächsten Nachbarn entfernt. Auch das Nebeneinander modernster
Technik (Antennenanlagen) und primitiver Lehmhütten kann Interesse wecken
und gleichzeitig erschrecken, aufregend dagegen das paradoxe Miteinander von
einerseits tiefverschleierten und andererseits hoch-modisch, europäisch
gekleideter Frauen, von denen einige wirklich absolut TOP aussehen.
Was hier jedoch schon fast zur Phobie werden kann, ist der puderfeine Sand
-besser Staub- der überall eindringt. manchmal kann man keine 50 Meter
weit sehen (
Bild 10 ), so staubig ist die Luft, besonders bei dem recht
Kräftigen Wind (ca. 5-6 Bft)
Vor dem Schlafengehen habe ich daher versucht, mein defektes Ausstellfenster zu
verkleben, diesmal nicht wegen der Kälte, wie in "Old Germany",
sondern gegen den Sand, der allerdings trotzdem durch jede noch so kleine Ritze
eindringt (sogar bis in die Zahnpasta-Tuben!)