UKG - Felsspalte
Hans war begeisterter Outdoor-Sportler. Und Eigenbrötler. Daher war er auch meist alleine unterwegs. Seine Ausrüstung war exzellent, nur das Beste war ihm gut genug. Das Hightech-Zelt garantierte auch fernab jeder Zivilisation angenehme Nächte, sein Kocher war eine geniale Kombination, die mit Solar-, Festspiritus oder Holz betrieben werden konnte und nach Benutzung im dazugehörigen Topf-Set Platz fand.
Das große Abenteuer hatte er lange geplant, Strecken ausgetüftelt, immer darauf geachtet, dass geschützte Übernachtungsplätze keine zu langen Tagesetappen erforderten und jeden Tag frisches Wasser zu finden war.
Und so war er frohen Mutes gestartet, hatte bereits vier Tage hinter ferab jeder menschlichen Behausung sich gebracht, als er -unter altem Laub verborgen- eine Felsspalte übersah und sich darin mit seinem linken Fuß verfing. So sehr er sich auch bemühte, der Fuß saß fest. Weder vor noch zurück konnte er das Bein bewegen, nicht drehen, nicht anwinkeln.
Es half auch nicht, die Schnürsenkel zu lösen, der Fuß war nicht aus dem Stiefel zu bekommen. Er versuche sogar, einen Stock als Hebel zu nutzen. Zwecklos.
Vor vielen Jahren hatte er von einem Wanderer gelesen, der in eine ähnliche Situation geraten war. Auch der steckte fest, auch der hatte keinen Handyempfang und auch der war an einer Stelle gefangen, an dem nie ein anderer Mensch vorbeikam. Dieser hatte sich aber befreien können, indem er mit dem Taschenmesser seinen Fuß amputiert hatte.
Hans hatte sich extra für diese Tour ein besonders ausgefeiltes und exklusives Exemplar eines Schweizermessers bestellt. Sein letzter Gedanke, bevor er dehydriert das Bewusstsein verlor, galt diesem Messer, das vergessen zu Hause auf dem Küchentisch lag.